Reisebericht Alaska 2009

Alaska Tagebuch Reise 2009 

Unser Reisebericht der Alaska Reise vom 22.8.2009- 09.09.2009   

Samstag, 22.08.2009 

Mit großer Erwartung warteten wir auf dem Flugplatz in Anchorage auf unsere diesjährigen Gäste zu unserer Alaska Erlebnis Tour. Uns blieb Zeit, die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen, denn wir waren schon einige Tage auf dem Kontinent. Zunächst flogen wir nach Vancouver in Kanada und reisten am gleichen Tag weiter nach Whistler etwa 3 Autostunden nordöstlich von Vancouver, um für unsere Gäste die Winterspiele 2010 vorzubereiten.

Insgesamt benötigten wir 5 Tage und kurz darauf saßen wir wieder im Flugzeug nach Anchorage Alaska, um unsere lang ersehnte Abenteuerreise zu beginnen. Dann war es endlich soweit. Mit 20 Minuten Verspätung landete die Maschine der Lufthansa aus Frankfurt in Anchorage Alaska USA.

Bärbl, Jutta und Elke kamen kurz hintereinander aus der Zollabteilung des Airports geeilt. Mit einem breiten Grinsen auf den Wangen standen die drei erwartungsvoll und gespannt vor uns.  Nach einer herzlichen Begrüßung ging es zu unserem Mini Van um alle Gepäckstücke zu verstauen. Zunächst ging es zu unserem B&B "The Bluff Inn", wo Kiki und Mike schon seit einigen Tagen wohnten. Die Unterkunft lag im südwestlichen Teil von Anchorage mit Blick auf das Cook Inlet, einer gewaltigen Bucht, die sich nach Nordosten hin verjüngte. Genau hier gründete die amerikanische Eisenbahngesellschaft –Alaskan Railroad-  1915 die Stadt „Anchorage“.

Mit seinen fast 300.000 Einwohnern ist Anchorage die größte Stadt Alaskas, aber dennoch nicht die Hauptstadt, denn dies ist „Juneau“.  Die Unterkunft war sehr gemütlich und mit vielen Details versehen. Die Eigentümer begrüßten uns herzlich. Keiner war müde und schnell waren wir uns einig, noch das schöne Wetter zu nutzen um, zu einem Aussichtpunkt weit über der Stadt zu fahren. Wir starteten kurz darauf zum Lookout am Rande des Chugach National Parks, einem Nationalpark der direkt bis an die Stadt grenzt. Aus diesem Grund sind Bären und Elche keine Seltenheit in den Vorgärten und eine Grillparty kann mal schnell zu einer Überraschungsparty werden. Lange ging es mit unserem „Dodge Mini Van“ aufwärts bis wir endlich am Parkplatz des Aussichtspunktes angekommen waren. Noch einige Meter und dann lag diese atemberaubende Aussicht vor uns. Wir konnten weit in den Golf von Alaska schauen und viele Inseln und Berge entdecken. Anchorage befindet sich auf: 61° 13`N und 149° 53`W d.h. Anchorage liegt auf der gleichen geographischen Breite wie Oslo in Norwegen. Entgegen vielen fälschlichen Informationen ist es hier mild und die Sommer in Alaska können richtig warm werden, genau wie in Norwegen.„Super Aussicht“ hörten wir nur von allen Seiten und alsbald waren wir unterwegs in die Stadt, die wir eben noch weit unter uns sahen. Mittagessen stand auf dem Programm und das „Brewhouse“ von Anchorage eignete sich hervorragend. Hier gab es alles vom Lachssteaks, Grillrippchen, Meeresfrüchte, Rindersteaks und vieles mehr. Das war einfach nur lecker!!!! 

Heute war Markttag in Anchorage und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.Wir schlenderten und schauten. Die Leute kamen aus allen Teilen von Alaska und verkauften ihre Waren. Felle, Honig, getrocknetes Rentierfleisch, handgefertigte Messer, indianische Schnitzereien, gestrickte Pullover, Socken und andere Kleidungsstücke. Kleine Huskys wurden gezeigt und im Hintergrund tanzte und sang eine Athabasken Gruppe alte indianische Tänze und Lieder aus fast vergessenen Zeiten.

Etwas später waren wir doch schon etwas hungrig auf Natur und wir beschlossen zum Shipcreek zu laufen, ein Bach der direkt durch Anchorage fließt. An einer Werfthalle war eine kleiner Staudamm und eine Brücke zu sehen. Alsbald entdeckten wir Einheimische, die ihr Glück versuchten und am Lachse angeln waren. Erstmalig konnten wir den Wanderungen der Lachse zuschauen, wie sie sich stromaufwärts zu ihrem Geburtsort vorkämpften, um dann dort zu laichen. Wir konnten es kaum glauben, dass mitten in der Stadt die Lachse wanderten. Langsam machte sich bei unseren Gästen nun doch der Flug aus Europa bemerkbar. Müdigkeit kam auf und wir beschlossen zurück zur Unterkunft zu fahren und den Tag ausklingen zu lassen. 

Sonntag, 23.08.2009 

Unser erster ganzer Tag in Alaska lag vor uns und wir versuchten es ganz langsam angehen zu lassen, denn es lagen noch fast 3 Wochen vor uns.Als erstes stand „Fred Meyers“ auf unserem Zettel, einkaufen für unsere erste Tour Richtung Südosten.

Bei „Fred Meyers“, einer Supermarktkette bekommt man wirklich alles und so war auch unser Einkauf schnell und problemlos erledigt.Und auf ging es auf den Seward Highway Nr. 1 Richtung Südosten. Unser erstes kleines Zwischenziel war „Bird Creek“ ein Bach, der aus den Bergen kam und wo die Lachse zu sehen sein sollten. Schnell hatte wir einen kleinen Parkplatz gefunden und liefen zum Bach hinunter. Einige Angler waren bereits vor Ort und versuchten ihr Glück und stellten den Lachsen nach. Am Ufer lagen eine Menge toter Fische, die bereits gelaicht hatten und nun tot den Bach wieder herunter gespült wurden.

Wir sprachen mit einem der Angler und er berichtete uns, dass wir einen riesigen Braunbären um nur zehn Minuten verpasst hatten. Traurig schauten wir den Bach entlang und gingen nach einigen Minuten zurück zum Auto, waren aber gleichzeitig  ganz sicher, dass das nicht der letzte Bär war, dem wir Nahe waren. Wir fuhren weiter Richtung Seward, was gleichzeitig unser heutiges Tagesziel sein sollte. In Girdwood angekommen lagen wir einen kurzen Stopp bei Alaskas bestem Alpinzentrum ein. Alyeska heißt die Anlage und lockt jährlich eine Menge Leute zum alpinen Winterurlaub an. Es regnete jetzt leicht, aber wir beschlossen trotzdem mit der Gondel zur Bergstation zu fahren, um eventuell etwas Aussicht über die Landschaft zu erhaschen. Nach einigen Minuten waren wir an der Bergstation angekommen und vereinzelt konnten wir die nahen Gletscher kurz zu Gesicht bekommen, bevor dichte Wolkenbänder die Sicht zu den weiß blauen Riesen wieder versperrte. Ein Kaffee in dem Bergrestaurant verschönerte den Aufenthalt und ließ den Besuch hier oben trotz des schlechten Wetters zu einem kleinen Erlebnis werden. Weiter ging unsere Reise zum „Portage Glacier“. Auch hier machte das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung und wir konnten den gigantischen Gletscher nur bei trübem Wetter  sehen. Allerdings hatten wir ganz in der Nähe einen super Spot entdeckt, wo wir die Lachse beobachten konnten. Bei Nieselregen versuchten wir durch fast undurchdringliches Dickicht näher an den Bach zu gelangen, um die Fische aus nächster Nähe beobachten zu können.

Bald schon hatten wir so viel Wasser von den Bäumen abgeschüttelt, dass wir bis auf die Haut nass waren. Ganz dicht waren wir jetzt an den Lachsen dran und aus wenigen Metern konnten wir den von Fischen kochenden Bach sehen. Hunderte von Lachsen stemmten sich gegen die Strömung und jeder von ihnen versuchte sein Glück, weiter Bach aufwärts zu gelangen. In dem glasklaren und eiskalten Wasser konnte man die knallroten Fische mit ihren bräunlichen Köpfen schnell ausmachen und gute Fotos schießen.

Nach einer halben Stunde waren wir so durchgeweicht, dass wir beschlossen, den warmen und trockenen Bus aufzusuchen. Wir setzten unsere Reise nach Seward fort, denn es war schon spät und wir mussten noch eine passende Unterkunft finden. Kurz vor der Dunkelheit erreichten wir Seward und zum langen Suchen für eine Unterkunft war es fast zu spät. Wir entdeckten ein Motel im Zentrum und ließen uns hier für die Nacht nieder. Schnell war der Herd heiß und frischer Lachs begann in der Pfanne zu schmoren. Wir waren müde und gingen früh schlafen. 

Montag, 24.08.2009 

Das Wetter war etwas besser geworden und der Regen hatte aufgehört. Trotzdem war aber noch eine dichte Wolkendecke zu sehen, was allerdings keine Seltenheit für diese Gegend am Golf von Alaska ist. Nach unserem Frühstück bummelten wir etwas in der Kleinstadt. Vom Hafen der Stadt aus begannen die bekannten und beliebten Bootstouren gen Süden in den Golf mit gut ausgestatteten und wendigen Booten. Kleine Souvenirläden mit bunten Blumenkästen an den Fenstern säumten die Stadt. Den Hintergrund bildeten hohe Berge und im Hafen lagen riesige Passagierschiffe aus allen Teilen der Welt.

Wir beschlossen eine neue Unterkunft ausfindig zu machen. Gerne würden wir in einer netten Hütte im Wald mit Sauna für die nächsten Tage wohnen. Wir machten uns auf die Suche und nach kurzer Zeit erhielten wir einen Tipp vom Touristenbüro der Stadt und fuhren zu einem wunderschönen B&B außerhalb der Stadt. Wir fanden ein schönes Haus mit netten Zimmern, sowie ein Nebengebäude mit extra Dusche, Sauna und einem Whirlpool mit Blick auf einen Bach, in dem die Lachse wanderten vor.

Alle wussten sofort, was am heutigen Abend auf dem Programm stehen würde. Ein Relaxabend mit allem Komfort. Außerdem gab es auch einen wunderschönen überdachten Grillplatz. Wir waren glücklich und richteten uns für mindestens zwei Nächte hier ein.In einigen Tagen stand unsere vier Tages Wanderung auf dem Programm und wir wollten schon einmal unsere Wanderschuhe ausprobieren. Eine kleine Wanderung zum „Exit Glacier“ war perfekt für diesen Zweck.  Wir parkten unseren Bus auf dem Parkplatz am Beginn des Wanderweges und schlenderten kurze Zeit später den gemütlichen Weg Richtung Gletscher entlang. Wir kamen dem eiskalten Riesen immer näher und dabei wurde es auch immer kälter, bis wir schließlich direkt am Fuße dieser imposanten Eismasse mit seinen verschiedenen Blautönen angekommen waren. Viele Fotos wurden gemacht und wir wirkten wie Miniaturmenschen vor dem riesigen Gletscher. Auf dem Rückweg fanden wir ein schönes Fleckchen am Bachufer mit Blick auf die Berge und den Gletscher. Unser kleiner Benzinkocher wurde ausgepackt und wurde einer letzten Prüfung vor unserer mehrtägigen Wanderung unterzogen. Kurz darauf loderten die kleinen blauen Flämmchen lautstark und ein Topf mit Wasser war kurz vor dem Kochen. Es gab Kaffee, heiße Schokolade, Tee und Kekse und das alles mit einer super Aussicht auf Alaska. Auf dem Rückweg verlief unsere Fahrt wieder entlang des Flusses, der vom „Exit Glacier“ kam. Es musste ein guter Spot für eine Bärensafari sein, dachten wir. Aber der Fluss war milchig grau, ein Zeichen, dass der Gletscherstaub, der sich beim Voranbewegen der Gletschereismassen auf dem steinigen Untergrund bildet und zementartigen Staub entstehen lässt, noch nicht abgesunken war. Wir waren also noch zu nahe am Gletscher und der Fluss war noch nicht frei vom Gletscherstaub. Dieser Staub wird „Silt“ genannt und kein Fisch kann hier überleben, da der Staub die Kiemen verstopfen lässt. Wo kein Lachs ist, würde wohl auch kein Bär auftauchen. Die Bären mussten sich jetzt ihre so wichtige Speckschicht für den Winter anfressen und hatten keine Zeit zum Spazierengehen an einem Fluss ohne Lachse! 

Nachdem wir die kleine Stadt wieder erreicht hatten, wurde unser tägliches Shopping  erledigt. Heute stand „grillen“ auf dem Programm und saftige Steaks wanderten in den Einkaufskorb, zusammen mit Salat und frischem Baguette und Bier natürlich. In unserer tollen Unterkunft wieder angekommen, widmeten sich die meisten dem Postkarten schreiben und Mike und Kiki erkundeten den Grillplatz. Mike war sprachlos und konnte es kaum fassen, was für einen gigantischen Grill es hier gab. Er freute sich wie ein kleines Kind und seine Augen leuchteten. „So einen will ich auch haben“, rief er und die riesen Steaks wanderten auf den riesen Grill.  

Nach unserem Festschmaus sollte jetzt das Relaxhaus ausprobiert werden, worauf alle schon sehnsüchtig warteten. Die Sauna war bereits mit gut abgelagertem Birkenholz angeheizt worden und hatte die Betriebstemperatur erreicht, das Bier war kaltgestellt und auch der Whirlpool blubberte schön warm vor sich hin. Wir konnten es nicht fassen. Da saßen wir nun in einer Sauna und einem Whirlpool, ein Bierchen in der Hand und den Blick auf den Bach gerichtet, wo sich nur zwanzig Meter entfernt die Lachse tummelten.

Wir waren mehr als glücklich und in diesem Moment hatte es uns an gar nichts gefehlt. Wir genossen zwei Saunagänge und fühlten uns pudelwohl!  

Eine Stunde später sammelten wir uns am Bus, denn wir wollten doch unser Glück am Fluss des „Exit Glacier“ versuchen. Vielleicht würden wir ja einen Bären zu Gesicht bekommen? An verschiedenen Stellen am Fluss schauten wir aufmerksam nach Bären. Wir suchten das Ufer mehrfach mit dem Fernglas ab, aber nichts war zu sehen.  Die Dämmerung näherte sich unaufhaltsam und begrenzte unsere Chance. An einer Stelle konnten wir den Fluss gut einsehen und beschlossen etwas genauer nachzuschauen. Langsam und leise gingen wir zum Fluss auf einer Befestigung aus Felsblöcken entlang. Kein Bär zeigte sich. Im Augenwinkel huschte ständig etwas auf den Felsblöcken hin und her. Keiner konnte genau sehen, was das war, denn es ging einfach blitzschnell. Und schon wieder, zack tauchte etwas auf und verschwand. Im gleichen Moment tauchte er an anderer Stelle zwischen uns und den Steinen wieder auf. Alle schauten und keiner wusste, was das wohl für ein kleines Wesen sein könnte? Endlich zeigte sich der kleine Nager vor uns in voller „Größe“ und einmal länger als nur eine Sekunde“. "Ein Wiesel“, flüsterten wir und ein Lächeln machte sich auf unseren Gesichtern breit. Der kleine Freund schien sehr aufgeregt oder nur froh, dass jemand zu Besuch gekommen war. Und zack, da war er wieder weg und zack, da tauchte er an anderer Stelle wieder auf.

Wir beobachteten den Wiesel noch eine ganze Weile bis uns die Dämmerung das kleine Tierchen nicht mehr erkennen ließ und wir beschlossen, die Heimreise anzutreten.Es war ein langer Tag und wir fielen wie Steine in unsere Betten.                  

Dienstag 25.08.2009 

Am Dienstag ging es bei leider bewölktem Wetter von Seward aus zur, mit Spannung erwarteten, ganztägigen Bootstour mit Kenai Fjord Tours.

Alle Kameras waren geladen, warme Kleidung war eingepackt und Tabletten gegen Seekrankheit standen mit auf dem Frühstücksplan. Um 10.00 Uhr legten wir mit der MS Tanain Richtung Süden in den Golf von Alaska ab.

Schon 2 Minuten nach dem Ablegen konnten wir den ersten Seeotter ganz nah bewundern. Eine große Anzahl dieser Tiere lebt in dieser Gegend und der Skipper drehte gleich mal eine extra Runde zu dem Seeotter. Aus Zeitgründen haben wir uns hier natürlich nicht lange aufgehalten, sondern setzten unsere Reise fort.Kurz darauf entdeckten wir die ersten Schweinswale unweit vom Boot. Die Kameras liefen schon jetzt auf Hochtouren und in Kürze sollte es noch spannender werden. Bei Harbour Island konnten wir die ganze Vielzahl der verschiedenen Seevögel bewundern. Der Hauptanziehungspunkt waren natürlich die Papageientaucher oder auch „Puffins“ genannt. Diese lustig gezeichneten Seevögel mit ihren komischen Flugbewegungen sind einfach toll anzusehen. Am Steilufer konnte man mehrere hundert dieser Vögel sowie Kormorane und andere bewundern. Unglaublich erschien uns die Anzahl, mit welcher sich die verschiedenen Tiere präsentierten. 

An kleinen bewaldeten Inseln mit steilen Küsten und unglaublichen Felsformationen entlang, ging unsere Reise weiter zu den in das Meer mündenden Gletschern. Einer dieser Gletscher heißt „Aialik Glacier“. Hier sind wir ganz nahe herangefahren, um den Kalbgeräuschen des riesen Gletschers zu lauschen. Plötzlich rumpelte es ganz unheimlich, ungewohnte urige Laute wie bei einem noch nie erlebten Gewitter umgaben uns. Ein Stück von diesen tausend von Jahren alten Gletschern brach ab und stürzte in das Meer. Der Gletscher hatte gekalbt, wie das in der Fachsprache genannt wird, und das Spektakel wurde nur durch ein vielfaches Kamerageräusch unterbrochen. Alle erlebten hautnah dieses Ereignis und ein Staunen zog über alle Gesichter.

Da wir schon ganz schön südlich angekommen waren und das offene Meer erreicht hatten, schaukelte das Schiff doch schon beträchtlich. Einige von uns fühlten sich nicht mehr so wohl und wir hofften wieder auf ruhigeres Gewässer. Erneut steuerten wir eine Insel an und durften Zeuge von einer unglaublichen Ansammlung von Seelöwen werden. Ein Männchen versuchte sich lautstark und mit Einhacken auf seine Rivalen Respekt zu verschaffen. Die Unterlegenen flüchteten mit einem Sprung aus 3 Metern Höhe ins Meer und ließen sich nicht mehr blicken.  

Weiter ging unsere Entdeckungstour und wir bekamen die ersten Tipps, wo sich Buckelwale aufhalten sollten. Der Skipper der MS Tanaina änderte seinen Kurs und steuerte direkt auf die erhaltene Position zu. Ein weiteres Schiff hatte nämlich ganz in der Nähe die Riesen des Meeres entdeckt und unseren Kapitän informiert. Nach einigen Minuten waren wir am Ziel angekommen und warteten voller Spannung, wann der Wal zum atmen wieder auftauchen würde. „Da“, plötzlich 200 Meter vor uns sahen wir seinen Rücken ganz kurz bevor er wieder abtauchte. In den nächsten Minuten durften wir mehrfach den Anblick der riesigen Schwanzflosse bewundern. Der Wahl tauchte wieder ab und alle schwelgten noch in dem Moment des Anblicks, als der Wal sich in seiner vollen Länge zeigte. 

Plötzlich geschah das Unglaubliche, der Wal schoss mit seiner ganzen Größe aus dem Wasser, machte eine Viertel Drehung und landete mit seinem riesigen Körper wieder sicher in dem Meer. Eine riesige Spritzwasserfonthaine stieg auf und ein staunendes Raunen ging durch die Menge der Beobachter. Alles wiederholte sich ein zweites Mal und alle waren überglücklich, dieses höchst seltene Schauspiel einmal im Leben live miterleben zu dürfen. 

Es ging weiter Richtung Fox Island, wo wir unser Mittagessen zu uns nahmen.Sicher legte der Skipper das Boot an und die hungrigen Mäuler eilten in das Blockhaus, wo ein Buffet mit Köstlichkeiten auf uns wartete.  Nach einer Stunde waren alle wieder fit und die Reise ging zurück nach Seward, dem Ausgangspunkt unserer Traum Tour mit Kenai Fjord Tours. Mit einem Gefühl der Zufriedenheit und den tollsten Bildern dieser Welt im Gepäck verließen wir diesen traumhaften Ort.   

Mittwoch, 26.08.2009 

Wir hatten gut geschlafen und einige fühlten noch das Schaukeln des Bootes vom Vortag unter Ihren Füssen. Nun stand der Teil der Reise an, den man bei einer Alaska Reise nicht auslassen darf. Eine 4 -  tägige Wanderung durch die wirkliche Wildnis Alaskas! Hier unterscheidet sich unsere Reise von den meisten anderen Alaskareisen. Kein Wohnmobil, kein Bus, kein Auto, keine Menschen, nur Wildnis- überall, wohin das Auge blickt! 

Alle waren sehr gespannt, was uns wohl erwarten würde. Die meisten hatten noch nie im Zelt in Alaska übernachtet und alle wussten, es gab da draußen mehr als nur „einen“ Bären! Wir kauften noch schnell etwas Proviant ein und besorgten etwas Benzin für unseren Kocher, dann ging es mit prall gefüllten Rucksäcken nach Cooper Landing. Dort angekommen organisierten wir uns zunächst einen Transport zum Ausgangspunkt der 4 - tägigen Wanderung. Ein netter Alaskaner fuhr uns zum Einstieg der Tour. Und schon gab es was zu lachen, da sein kleiner Hund sich erstmal unter sein Hemd zum Schlafen legte!  

Es begann leicht zu regnen und alle hatten ein mulmiges Gefühl im Magen und dann noch dieses ungewohnte Gefühl eines Rucksacks auf dem Rücken. Wir liefen langsam, aber sicher, los. Alles schien gut zu funktionieren und wir hofften, dass dieses Gefühl bis zum Schluss der Wanderung anhält. Ganz plötzlich hörte es wieder auf zu regnen und die Wetterfrösche hatten sich mal wieder geirrt- „Gott sei Dank“. 

Am ersten Tag wollten wir es ruhig angehen lassen und beschlossen schon nach einigen Kilometern unser Lager aufzuschlagen. Wir verließen den gemütlichen Pfad, vorbei an einer seltsamen großen Metallbox. Mike klärte uns schnell auf, was es damit auf sich hat. „Da Bären sehr gute Nasen haben, riechen sie natürlich unsere Lebensmittel und kosmetischen Artikel, die wir mit uns führen. Beides lockt den Bären an. Damit der Bär keine Lebensmittel vom Wanderer klauen kann, werden sie in diese Box eingeschlossen. Erst wenn Bären Lebensmittel von Wanderern ergattern, wird der Bär beim nächsten Wanderer fordernd und somit gefährlich. Der Bär kann diese Box nicht öffnen und ist sauer und zieht von dannen. So ist zu mindestens der Plan.“ 

Nach einigen Metern waren wir an einem schönen Lagerplatz angekommen. Ein Bach plätscherte leise am Lager vorbei und eine traumhafte Berglandschaft bildete den Hintergrund. Am Lager fanden wir einige Holzklötze als Sitzmöglichkeiten und eine Feuerstelle vor. Schnell war unser Lager errichtet und die 2 Zelte aufgebaut. Der Kocher lief bereits und kurz darauf saßen wir gemütlich vor unserem Abendessen. Schon bevor wir uns zum Essen niedergelassen hatten, wurde alles was nicht gebraucht wurde und Bären anlocken könnte in die „Bären Box“ eingeschlossen. Vorher hatte Mike uns ausführlich immer wieder erklärt, wie wir uns bei Kontakt mit Bären verhalten sollten. Nach dem Essen wurde alles gründlich abgewaschen und in der Box verstaut. Das Kochgeschirr hatten wir in einem hohen Turm dicht neben unserem Zelt aufgebaut.

Sollte ein Bär in der Nacht in unser Lager kommen, kann der Turm vom Zelt aus umgestoßen werden und der Bär, der metallische Geräusche gar nicht mag, flüchtet in der Regel.  Alle waren satt und müde. Wir plauderten und machten noch einige kleine Bärenwitze, als urplötzlich gewaltige Schläge auf eine Metallbox, ohrenbetäubend, von uns vernommen wurden. Wir schauten uns kurz und verschreckt an. Alle Informationen, wie wir uns bei Bärenkontakt verhalten sollten, sind kurzzeitig abhanden gekommen?!? Jeder fragte, was wir tun sollen. Es wurden schnell und sicher Anweisungen gegeben. Jeder hatte seine Aufgabe. Anziehen, Zelt zumachen, wachsam sein und auf Mike schauen.

Schnell hatte Mike das Bärenspray griffbereit und die Schreckschuss Munition ausgepackt. Die erste Panik war vorbei. Schon wieder schepperte es auf der Metallbox, die nur 20 Meter entfernt war. Spätestens jetzt war allen klar, dass ein riesen Bär an den Inhalt der Kiste will, die wir vom Lager „Gott sei Dank“ nicht sehen konnten, Wir schauten uns an, Elke hatte den Pullover falsch herum an, die Hose offen, die Schuhe nicht richtig an. Jetzt war die Gelegenheit, das schnell wieder in Ordnung zu bringen. Geschafft!!! Wir hörten genau in die Richtung der Metallbox und waren bereit uns langsam und sicher zurückzuziehen. Minuten verharrten wir am Platz. Nichts passierte. Der Bär hatte sich davongemacht!

ZUM GLÜCK!!

Es begann zu regnen, wir gingen ins Zelt und schliefen nicht sofort ein, da uns das Adrenalin noch in den Adern stand!   

Donnerstag, 27.08.2009 

Es hatte aufgehört zu regnen. Super. Alle freuten sich, aber keiner hatte wirklich geschlafen. Das sei völlig normal in der ersten Nacht, draußen in Alaska, erklärte Mike. Wir hofften auf mehr Routine..! 

Nach einem super Frühstück setzen wir unsere Wanderung fort. Vorbei an der Bärenbox mit deutlichen Kratzspuren der Ereignisse tags zuvor. Es lockerte auf und die Sonne kam durch, es wurde sommerlich warm in Alaska. Jetzt wurde fotografiert was das Zeug hielt.Eine super traumhafte Landschaft lag vor uns. Um keinen Bären zu begegnen waren wir jetzt laut beim Wandern. Die Bären haben so die Möglichkeit uns frühzeitig zu vernehmen und sich zu verdrücken“, erklärt uns Mike erneut.

Wir fanden Bärenlosung auf dem Pfad. Sicherlich von unserem Störenfried dachten wir, wussten es aber nicht genau. Hier draußen ist es einfach nur spannend! Und schon wieder Bärenlosung und jetzt auch Bärenspuren. „Das ist ja wie im Zoo“ rief Mike, der voran ging und Ausschau hielt. Wir wussten jetzt gar nicht mehr genau, ob wir noch einen Bären sehen wollten?! Der Tag verlief spannend. Unterwegs machten wir mehrmals Pause und stärken uns, immer mit unseren Augen die Gegend kontrollierend. Am späteren Nachmittag erreichten wir den Bach, der auf unserer Karte verzeichnet war. Plötzlich wurden es deutlich mehr Spuren am Fluss. Hier ist Bär unterwegs!

Alle blieben angespannt stehen und wir konnten hinter der Baumreihe deutliches  plätschern am Fluss vernehmen. Was ist das, was da plätschert? Bären, die im Fluss versuchen einen Lachs zu ergattern? Oder Möwen, die sich um die Reste der Lachse streiten? Oder die Lachse selber, die in dem seichten Gewässer versuchen Fluss aufwärts zum Laichen zu wandern? Wir waren gespannt und blieben wie versteinert stehen. Mike ging unterdessen langsam und vorsichtig und mit dem Bärenspray im Anschlag weiter den Pfad entlang. Riesen Lachse mit abgebissenen Köpfen lagen mitten auf dem Pfad. Losung überall und riesige Spuren der Bären waren zwischen dem Pfad und dem Fluss zu sehen. Es war eindeutig die Speisekammer der Bären, wo wir gelandet sind.  Aufatmen, das Plätschern vom Fluss entpuppte sich als den Versuch der Möwen, die Lachse in seichtes Gewässer zu ziehen. Kein Bär in der Nähe. Noch nicht!  

Es ist spät geworden und wir beschlossen bei der nächsten günstigen Gelegenheit unsere Zelte aufzuschlagen. Kurz darauf tauchte ein Zeltplatzzeichen auf und wir nutzen die Chance. Nach dem verdienten Abendessen wurde alles an Proviant und Kosmetika in einen Rucksack gepackt. Eine Schnur mit Gewicht flog über eine Astgabel und kurz darauf hing der Rucksack mit allen Sachen, die der Bär so mag, in 6 Metern Höhe.

„Der Bär kann nicht lokalisieren, wo der leckere Geruch herkommt und gibt schließlich auf. So der Plan“, sagte Mike und macht sich bettfertig. Nicht nur, dass wir spät ins Bett kamen und sehr müde waren von den vielen Ereignissen am Tage, nein, es fing auch wieder an zu regnen.  

Freitag, 28.08.2009 

Wir wachten später als gewohnt auf. Immer noch regnete es leise vor sich hin und wir mussten erstmalig im Regen einpacken. Gut machte sich jetzt unser Tarp, eine große Plane, die wir zwischen die Zelte gespannt hatten. In der Nacht hatte wir am 30 Meter entfernten Wanderpfad den Bären brüllen gehört.

Nach unserem Frühstück ging es weiter Richtung Nordwesten. Es hatte aufgehört zu regnen und es klarte sogar auf. Bald stieg die Temperatur wieder an und es wurde richtig warm. Langsam kamen wir aus den dichten Wäldern in offenes Gelände. Ein atemberaubendes Tal eröffnete sich vor unseren Augen. Links und rechts befand sich eine Bergkette. Im Tal schlängelte sich ein kleiner Bach entlang umgeben von einem Feuchtgebiet und den typischen schlanken alaskanischen  Fichtenwäldern. Plötzlich tauchte über unseren Köpfen ein Weißkopfseeadler, das Wappentier der Vereinigten Staaten auf. Mit ruhigen und kräftigen Schlägen gewann er rasch an Höhe und bald darauf erfasste ihn ein Aufwind und erleichterte seine Reise. Ein majestätischer Anblick, den wir lange genießen durften.  

Wir entschlossen uns eine kleine Pause zu machen. Mike machte noch kurz einen Witz. „Pass auf Kiki, hinter dir kommt ein Bär“ und keine 5 Minuten später meldete sich Jutta, die sich zum Ausruhen in das weiche Gras gesetzt hatte, ganz ruhig und leise zu Wort:.„Da kommt er“

Direkt unter unserem Pfad, ganz unbemerkt im Mitwind, trottete hangaufwärts  ein Schwarzbär auf uns zu.  Alle waren angespannt, denn der Bär hatte uns noch nicht bemerkt und kam direkt auf uns zu. Schnell hatten wir die Situation erkannt und wir machten uns bemerkbar.„Hoho, hoho“ rief Mike dem nur noch 15 Meter entfernten Bären zu und schwenkte dabei die Arme.Ganz überrascht richtete der Bär sich auf und zeigte uns seine ganze Größe. Er hob dabei die Nase und erkannte schnell, dass es sich um etwas Seltsames, Unberechenbares handelte. Kurz entschlossen entschied er sich das Weite zu suchen, worüber wir uns sehr freuten. Unser erster Bär in Alaska!          

Noch lange folgten unsere Blicke und Gedanken unseren ersten Bären, der jetzt schon weit entfernt durch die Büsche streifte.Der Pfad war schmal und das Feuergras war mannshoch gewachsen. Nur schwer konnte man sehen, was nach der nächsten Kurve auf uns wartete. Wir wurden lauter und lauter, um nicht wieder einem Bären zu begegnen. Gleichzeitig war unser sehnlichster Wunsch, einen Bären in freier Natur beobachten zu dürfen. Was sollten wir also tun? Lautlos wandern, um Bären zu sehen, oder singen und klatschen, um den Bären vor uns zu warnen? Dieser Zwiespalt war deutlich in unseren „hoho“ Rufen zu vernehmen. Langsam wurden wir müde und alsbald ergab sich die Gelegenheit in einer gemütlichen Hütte Unterschlupf zu finden.

Wir verließen den Pfad und bogen ab zur „Barber Cabin“ in den Wäldern der  Chugach Mountains. Die Barber Cabin war eine traumhafte Hütte direkt am „Lower Russian Lake“ mit Ausblick auf die darum liegenden Berge, einem super Öfchen und einer kleinen Küche. Alle waren Glücklich und jeder organisierte seine kleine Gemütlichkeit und freute sich auf ein tolles Abendessen in frisch geduschten Zustand. Der Abend war gemütlich und es wurde viel gelacht. Mike konnte sich nicht beruhigen, denn er hatte an den gegenüberliegenden Hängen mit seinem Fernglas 8 Bären entdeckt. „Wie im Zoo hier- ich liebe dieses Land“. 

Samstag, 29.08.2009 

„Guten Morgen“ hallte es in der Hütte. Alle waren schon wach und einige hatten doch etwas Rückenschmerzen von den Holzbetten der Hütte. Ein weicher Waldboden in der Hütte wäre perfekt gewesen.,Nach langem Frühstück ging es heute Richtung Norden. Der letzte Abschnitt unserer Wanderung lag vor uns. Alles wurde schnell in die Rucksäcke verpackt. Es war ein super Gefühl, denn nichts war mehr klamm und feucht, sondern alles trocken und schön warm vom lodernden Feuer im Öfchen der Barber Cabin. 

Auf unserem letzten Abschnitt hatten wir nochmals die Möglichkeit, die Gletscher der imposanten Gegend zu bewundern. Das Zusammenspiel der verschiedenen Farben der Gletscher, der Wälder, der Seen und der Berge hier, ist unglaublich schön. Bald kamen wir in die Nähe der Wasserfälle. Es war nicht mehr weit bis zur Zivilisation, denn man konnte die Trucks und Wohnmobile mit ihren dumpfen und monotonen Geräuschen schon vernehmen. Unser Wanderpfad endete an einer Ausflugspromenade zwischen einem Wasserfall, wo Bären fischen und einem Parkplatz an der Straße.  

Nach 4 Tagen Wildnis trafen wir seltsame Menschen. Gerüche von Parfüm und Aftershave mischten sich unter die Düfte der Natur. Geschminkte Frauen, frisierte Hündchen und Männer mit Cowboyhüten und riesigen Colts schauten uns und unsere Rucksäcke mitleidsvoll an. Unsere Gruppe besuchte den Wasserfall mit springenden Lachsen. Es war super spannend und schön, aber einfach zu viele Leute.

In wenigen Minuten waren wir am Endpunkt unserer Wanderung angelangt. Wir waren glücklich, stolz auf unsere Leistung und froh wieder angekommen zu sein. Noch schnell ein Gruppenfoto und dann rein in unseren Minibus, den wir hier vor 4 Tagen geparkt hatten. Schon nach einer Stunde, nachdem wir uns in eine super Unterkunft eingemietet hatten, saßen wir in einem kleinen Restaurant und genossen eiskaltes Bier, Wein, Heilbutt, Jacobsmuscheln und Steaks mit Blick auf den Kenai River in Alaska. Wir schwelgen schon jetzt in den unvergesslichen Erinnerungen unserer Wandertour entlang des Russian River Trails in den Chugach Mountains. Danke Alaska, dass wir hier sein durften!  

Sonntag, 30.08.2009 

Ganz weich und in einem schönen Bett hatten wir erholsam die Nacht verbracht. Auf unserer Terrasse machte sich die Sonne bemerkbar. Es wurde jetzt richtig heiß und die kurzen Hosen wurden eiligst hervorgekramt. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem kurzen Sonnenbad ging es auf nach Cooper Landing. Wäsche waschen und einkaufen stand auf unserem Programm. Schnell waren alle Waschmaschinen gefüllt und die Wäsche drehte sich im Kreise. Die Zeit überbrückten wir mit Sonnenbaden in Alaska. Am frühen Nachmittag ging es nach Soldotna zum Einkaufen und außerdem wollten wir unser Camp beim Hidden und Skillak Lake auf der Kenai Halbinsel für die nächsten Tage erkunden.

Auf dem Weg dorthin hielten wir am Kenai Fluss an. Der Fluss in Alaska, in dem man die größten Lachse dieser Welt fangen kann.  Schnell wurden wir an diesem Fluss auch Zeuge, was für riesige Lachse es dort gibt. Ein Angler fluchte, denn der Lachs hat sich wieder losgerissen und mehrfach hallt das „F-Wort“ über den Fluss.  Wir fuhren weiter und beim Anblick eines großen Hamburgers auf einem Sperrholzschild gemalt, übermannt uns plötzlich der Hunger auf amerikanisches Fast Food. Wir betraten Suzzis Cafe, ein kleiner Imbiss an der Straße nach Soldotna. Schnell bekamen wir das, wonach der Kopf rief und wogegen sich der Körper sträubte. Ein mächtiges Sandwich mit Fritten und Soßen im amerikanischen Stil. In der übergewichtigen Menschenmenge des Cafes sahen wir aus wie kleine Würstchen. Geschmeckt hat es uns aber trotzdem.

Satt wie die Braunbären an den Flüssen in  Alaska fuhren wir weiter nach Soldotna. Unser Ziel war „Fred Meyers“, ein riesiger Einkaufsmarkt, wo man alles bekommt, wonach man sucht. Nach einer Stunde war alles im Bus verstaut und die Reise ging zurück in unsere super schöne Unterkunft in Cooper Landing. Die Fahrt ging entlang des Kenai Rivers und plötzlich entdeckte Elke eine Bärenfamilie am Fluss. Schnell hatten wir einen Parkplatz gefunden und pirschten uns vom gegenüberliegenden Ufer an die Bärenfamilie heran. Lange genossen wir aus sicherem Abstand den Anblick der zufriedenen Tiere. Die Bärenfamilie fing am Ufer des Flusses Lachse. Schnell und routiniert zeigte die Mutter den zwei Jungbären wie man den Fischen die Haut abzieht und an das leckere rote Fleisch kommt. Super Schnappschüsse wurden gemacht und Jutta`s Superkamera kam wieder zum Einsatz.

Spät am Abend wurde auf unseren tollen Tag am Kenai angestoßen. 

Montag, 31.08.2009 

Gut geschlafen und wohl genährt galt es heute wieder das Land zu entdecken. Am Tag zuvor hatten wir schon einmal eine Idee bekommen, was uns dort, in der Gegend um den Hidden Lake und dem Skilak Lake, erwartet. Über eine Schotterpiste gelangten wir an den abgelegenen Skilak See. Vor uns lag ein riesiger See mit eiskaltem Wasser und reich an Fischen in Postkartenumgebung.

Am Parkplatz des Campgrounds begannen wir unseren Bus zu entladen. Alle halfen mit und schnell war ein super schöner Platz gefunden. Auf dem kleinen Weg hinunter zu unserem kleinen Traumplatz wurde Jutta wieder von einem Bären überrascht. Die Taschen waren schwer und die Arme wurden länger. Eine kurze Pause wurde fällig. Jutta ließ die Taschen fallen und urplötzlich richtete sich ein Schwarzbär nur unweit im Unterholz auf. Beide schauten sich für einen Bruchteil einer Sekunde in die Augen, dann entschloss sich der Bär zu flüchten –Jutta ebenfalls. Schnell wurde uns klar, dass hier wieder buchstäblich „der Bär tanzt“. Vorsicht war geboten und glücklicherweise gab es an den Lagerplätzen unsere beliebte „Bärenbox“ aus Metall. 

Wir erkundeten das wunderschöne Ufer des schönen Sees. Überall stießen wir auf Bärenlosung. Kiki setzte sich wie bei einer Wippe auf einen Baum, der zur Hälfte im See lag, und ließ sich fotografieren. Im Hintergrund ragte ein riesiger Vulkankegel am Horizont empor.  Ein Moment später kam ein Schwarzbär aus dem Wald und bewegte sich träge Richtung Ufer, nur unweit von gerade dem Baumstamm, an dem Kiki soeben noch posiert hatte. Der Bär erreichte das Ufer, hob seine Nase und schnüffelte Richtung See. Wie ein Fuchs legte er sich flach auf den Bauch, die Nase nur einige Zentimeter über der Wasseroberfläche und schwamm ganz zielgerecht zu einem Lachs, der tot im Wasser trieb. Nach wenigen Schwimmbewegungen erreichte er den Fisch und schwamm mit einer Kehrtwendung und seiner Beute zurück zum Ufer. Am Ufer angekommen steuerte der Bär geradewegs in den Wald. Beim Verlassen des Wassers plätscherten riesige Wassermengen aus seinem dichten Pelz auf das Ufer und versickerten zwischen den schwarz gefärbten Steinen. Der Bär würdigte uns mit keinem Blick und verschwand im dichten Wald. 

Auch bei uns stand heute Lachs auf dem Speiseplan. Die großen roten und saftigen Lachsstücke wurden gut gewürzt und landeten in einer großen heißen Pfanne. Auch unser Schmaus neigte sich dem Ende und schnell verpackten wir wieder, jetzt mit viel Routine, alles in die Bärenbox, die nur einige Meter von unseren Zelten stand. Wir hofften, dass wir bei unserer Rückkehr alles wieder unversehrt vorfinden würden. Auf ging es nach Cooper Landing. Wir hatten um 18.00 Uhr eine Rafting –und Beobachtungstour gebucht. Am Bootssteg angekommen begrüßte uns Adam, unser Guide. Kurz darauf wurden wir eingekleidet und wir sahen aus, als ob wir gleich auf ein alaskanisches Fischerboot anheuern würden, um auf Jagd nach Königskrabben zu gehen.  Mike stand am Ufer bereit, um uns beim Ablegen des Rafting Bootes zu fotografieren.Und auf ging es zu unserer Entdeckungstour.

Vorbei an Weißkopfseeadlern und springenden Lachsen steuerte unser Skipper das Boot sicher in die tosende Strömung des wilden Kenais. Das Boot schaukelte ordentlich und bald war es auch gut mit Wasser gefüllt und wir waren gut damit beschäftigt das Wasser mit einem Eimer wieder und wieder außenbords zu befördern. Wir fuhren vorbei an lustigen kleinen Wasserfällen und das Boot schaukelte wieder kräftig. Alle kreischten. Jutta bekam Wasser in ihr Ohr und Elke wurde eiskalt von einer Welle erwischt und  war klatschnass. Großes Gelächter und selbst Adams Mundwinkel bewegten sich nach oben! Ganz plötzlich entdeckten wir am Ufer einen Koloss von Braunbär, wie er ganz genüsslich seinen Lachs verspeiste. Wir trieben ruhig und sicher nur 10 Meter an dem Bären vorbei, der nur Augen für seinen Fisch hatte. Wir fuhren schaukelnd weiter und kamen an seichte Stellen im Fluss vorbei, wo sich das Wasser ganz rot verfärbte. Hunderte von Lachsen tummelten sich hier dicht an dicht, um sich für einen kurzen Moment von dem Kampf gegen die Strömung auszuruhen. Einfach einzigartig!!!

Nach einer erlebnisreichen Tour auf dem Kenai kamen wir zum Endpunkt dieser Tour, Jim`s Landing, wo Mike uns  abholen sollte. Mike sahen wir nicht gleich, hörten Ihn aber rufen. “Kommt schnell, kommt schnell“. Wir eilten in die Richtung, woher die Stimmen kamen und entdeckten ihn mit einem Angler, der gerade dabei war seinen Fang des Lebens an Land zu ziehen. Bei dem Anblick klappte bei allen von uns der Unterkiefer runter und da blieb er auch für die nächsten Minuten. „Zuerst sah das alles nach einem Hänger aus“ schrie Mike aufgeregt. Gleichzeitig erblickten wir diesen riesigen Königslachs mit einer Länge von 1,40 Meter und einem Gewicht von 25 kg. Der Angler versuchte den Fisch mehrmals anzuheben, scheiterte aber. Beim letzten Versuch legte er ihn zuerst auf die Knie und hob den Fisch dann mit beiden Armen in Siegerpose. Ein unglaubliches Bild! Einen solchen Lachs hatte auch Mike noch nie zuvor zu Gesicht bekommen. Wir bedankten uns bei Adam für die super Tour auf dem Kenai, waren aber eigentlich noch etwas geschockt vom Anblick dieses Königslachses.

Etwas verdutzt stiegen wir glücklich in unseren Bus und fuhren Richtung Lagerplatz am Skilak Lake. Wir fuhren langsam durch die Dämmerung. Immer gespannt, was da noch so alles in der Wildnis auf uns wartet. 

Wir kamen an einen kleinen Waldsee, als Kiki plötzlich schrie: „Dort, im Wasser. Was ist das?“ Alle suchten mit den Augen das Wasser ab. Plötzlich sahen wir ein seltsames Wesen am gegenüberliegenden Seeufer. Kurz darauf verschwand das Tier wieder unter Wasser.„Was soll das denn sein?“ flüsterte Mike und ließ langsam die Scheibe unseres Busses herunter. Das Fernglas im Anschlag schauten und lauschten wir. Lochness etwa? „Nessi“ in Alaska, das kann nicht sein. Und wieder tauchte ein seltsames Wesen aus dem See auf und verschwand kurz darauf. Das sah aus wie Flügel mit Fransen und wir hatten keine Ahnung, was wir beobachteten. Ganz plötzlich wuchs das bis dato einen Meter große Tier zum dreifachen seiner Größe am Uferrand an. „Ein Elch, ein Elch“ riefen alle. Im Fernglas konnten wir deutlich das herunterhängende Seegras sehen wonach der Elch ständig getaucht hatte. Alle mussten lachen und wir beobachteten das riesige Tier, wie es staksig im Wald verschwand. Unser erster Elch war gesichtet! Schon wieder ein super tolles Erlebnis. 

Wir erreichten unser Lager und fanden alles unverändert vor. Alle waren erleichtert. Schnell war das Lagerfeuer entzündet und ein „Gute Nacht Bier“ wurde aufgemacht. Einfach herrlich so am Feuer zu sitzen dachten wir, als Bärbl plötzlich rief „Da ist einer“. Ein Schwarzbär schlich sich doch tatsächlich 5 Meter am Zelt vorbei. Im Lampenlicht leuchteten deutlich seine Augen und mit Töpfeklappern halfen wir ihm bei der Entschlussfassung, was denn jetzt zu tun sei, auf die Sprünge.„Na das wird ja lustig heute Nacht“ sagte Kiki und schaute sich ständig dabei um und leuchtete die Gegend ab.

Wir krochen in unsere warmen Schlafsäcke und lauschten dem Wind, wie er durch die Bäume strich und unser Tarp kräftig schüttelte. In dieser Nacht trampelte ein Elch vor unseren Zelten herum. Das konnten wir deutlich am nächsten Morgen an den Spuren sehen. 

Dienstag, 01.09.2009 

Heute war ein Erholungstag angesagt. Das Wetter war gut und wir verbrachten die Zeit mit lesen, angeln, spazieren gehen, sonnen und verarbeiten unsere zahlreichen Erlebnisse von diesem traumhaften Land. Zum Mittag gab es leckere Schnitzel und Bratkartoffeln. Nach einem Verdauungsspaziergang am dicht bewachsenen Ufer hielt uns nichts mehr. Wir wollten wieder los, um unsere Zeit in diesem Land effektiv zu nutzen. Wir beschlossen auf Bärensafari zu gehen.Schnell versammelten wir uns an unserem Bus. Das Lager war gesichert.  

Wir fuhren los. Schon nach 10 Minuten kamen  wir auf der Schotterpiste an einem Bach vorbei. Wir sahen einen großen Pickup parken. Zwei Männer saßen im Fahrzeug und schauten gespannt zum Bach hinunter. Wir fragten leise nach und unsere Vermutung wurde bestätigt. Hier war Braunbär in der Nähe! Wir warteten in unserem Bus und schauten gespannt in Richtung Bach, der im Wald verschwand. Überall lag Lachs verstreut. Mal mit, mal ohne Kopf oder Schwanz. Der Ort glich einem Schlachtfeld. Nichts tat sich.

Die zwei Männer im Pickup hatten keine Lust mehr zu warten und fuhren los. Wir hatten Ausdauer und sollten kurz darauf belohnt werden. Nach einigen Minuten hörten wir ein Knacken im Wald. Durch das dichte Gebüsch konnte man einen riesigen Kopf entdecken. Der riesige Braunbär kaute auf einem Lachs. Ganz träge und fett gefressen kam er langsam aus dem Dickicht heraus. Immer den Kopf geneigt und nach fressbaren suchend. Jetzt war der Bär nur noch 20 Meter von uns entfernt. Er war imposant und unsere Anwesenheit schien ihn nicht zu stören. Der Bär kam weiter auf uns zu bis er schließlich nur noch 5 Meter von uns entfernt im Bach stand und einen Lachs nach dem anderen zwischen seinen großen Zähnen zerfetzte. Wir waren wie gelähmt und trauten uns nicht einmal zu flüstern. So träge wie er sich bewegte, musste er fast am platzen sein. Wir schlossen die Scheiben unseres Busses und waren abfahrbereit, denn der Bär war jetzt bedrohlich nahe gekommen. Der Bär steuerte dicht hinter unserem Fahrzeug den Hang an. Dort angekommen musste er sich entledigen. Dabei senkte sich sein Kopf und er fraß gleichzeitig etwas Gras. Ein riesiger brauner, nach Fisch stinkender Fladen, blieb zurück und der Bär taumelte völlig satt in Richtung Waldrand und verschwand. Uns stand die Spannung noch im Gesicht geschrieben.

Völlig begeistert fuhren wir weiter, um neue Erlebnisse zu genießen. Wir wollten noch einmal an den Kenai Fluss fahren, um aus sicherem Abstand die Mutter und ihre Jungbären zu beobachten. Kurz vor unserem Ziel standen auf der Straße Autos und blockierten den Weg. Ein großer Braunbär war der Grund. Er streifte unten am Fluss entlang und suchte das Ufer nach Lachsen ab. Leute hatten ihre Autos wie wild geparkt und ließen den riesigen Bären sehr bedenklich nahe  auf sich zukommen. Der Bär trottete schließlich über die Straße und verschwand im Wald. Am gegenüberliegenden Ufer tauchte ganz unerwartet die Mutter mit ihren doch schon stattlichen Jungtieren auf. Wir beobachteten die Tiere alleine vom Ufer aus und genossen den Anblick der spielerischen Jagd der Jungbären. Immer wieder musste die Mutter auf die zwei Rabauken warten bis alle drei nach einer halben Stunde wieder im Unterholz des gegenüberliegenden Ufers verschwanden.

Wir fuhren zurück zum Lager und hatten es jetzt schwer alle Erlebnisse gleichzeitig und gebührend zu verarbeiten. Kurz vor dem Lager entdeckten wir doch noch etwas Unglaubliches. Ganz in der Nähe des Baches, an dem wir zuvor den anderen Bären beobachtet hatten, rief Kiki plötzlich „Halt, Anhalten“. Ungefähr 20 Meter rechts von der Straße sahen wir in der Dämmerung einen mächtigen  Braunbären, wie er an einem sandigen Hang wild und wie besessen mit seinen großen Pranken im Sand grub. Anfänglich war es uns unbegreiflich wonach der Bär grub, doch bald sollte sich das Rätsel lösen. Wir saßen regungslos auf unseren Sitzen und ließen vorsichtig die Fenster runter. Erst jetzt konnten wir deutlich vernehmen, wie der Bär mit seinen Pranken und Klauen große Sandmengen von sich weg schleudert und eine riesige Mulde im Hang entstand.„Was macht der bloß?“ fragten sich alle von uns. Ganz plötzlich beendet er sein Graben. Bei uns stieg die Spannung und wir schauten mit geöffnetem Mund in die Dämmerung. Ganz entspannt drehte er jetzt seinen riesigen Körper um und schaut uns direkt in die Augen. Er hatte uns schon lange bemerkt und störte sich nicht weiter an unserer Anwesenheit. Urplötzlich ließ er seinen Körper rückwärts in die Mulde plumpsen und wir können endlich deuten wozu der Aufwand gut sein sollte. Der Bär hatte sich ein Nachtlager gebaut und versuchte jetzt seine Beine bequem zu platzieren. Das gelang nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte und kurz entschlossen erhob er seinen Körper und grub weiter. Das machte er solange bis endlich der zottelige Körper in die Mulde flutschten konnten und alle Gliedmaßen bequem untergebracht waren. Ein Schnaufen war noch zu hören und dann trat Stille am Bärenbett ein. 

Wir sind glücklich und zufrieden, denn wann hat man schon mal die Gelegenheit einen Braunbären zu sehen, der sich „bettfertig“ macht. Wir ließen unser Auto rollen, bevor wir es starteten, um seine Hoheit nicht zu stören. 

Mittwoch, 2.09.2009 

Wir hatten gut geschlafen und unser Frühstück mundete uns vorzüglich. Unsere Reise ging heute in Richtung Anchorage und weiter an den Fuß des majestätischen Mount McKinley. In Talkeetna (übersetzt, "da wo sich die Flüsse treffen"), hatten wir vor zu übernachten. Das Wetter ließ an diesem Morgen nichts Gutes verheißen. Regen lag in der Luft und schon am Vorabend konnte man die Entwicklung auch am Barometer deutlich verfolgen.

Aber wir waren gut eingespielt und im Nu war alles eingepackt und wir waren unterwegs nach Anchorage. Vorbei ging unsere Reise an den erlebnisreichen Plätzen der letzten Tage, welche uns immer wieder mit Spannung fesselten. Wir kamen an dem Platz vorbei, an dem sich am Vorabend der riesige Braunbär sein Nachtlager gebaut hatte. Wir stiegen aus, ganz vorsichtig schlichen wir uns in Richtung Schlafzimmer des Bären. Immer gefasst, dass er noch in der Nähe sein konnte. Deutlich konnten wir die Mulde sehen, in der das riesige Tier die Nacht verbracht hatten. Am unteren Ende der Mulde konnte man deutlich eine Ausspülung im Sand sehen. Der Bär hatte direkt nach dem Erheben von seinem Nachtlager seine Blase entleert. Und weiter ging die Reise, wir tauschten unsere Meinungen aus und waren begeistert, wie viele verschiedene Erlebnisse in doch kurzer Zeit sich uns offenbarten. 

Nächster Stopp war jetzt die beste Pizzeria in ganz Alaska. „The Mooses Tooth“ war ein Geheimtipp, den wir von einer ganz netten Frau erhielten. Mike und Kiki kannten die Pizzeria schon und konnten den anderen schon richtigen Appetit machen. Und schon waren wir angekommen in Alaska`s größter Stadt und sahen die riesige Schlange der hungrigen Alaskaner vor der Pizzeria. Anstellen hieß das Zauberwort und schon kurz darauf bekamen wir unseren Pieper, der uns benachrichtigte, wann ein Platz frei wird. Die Zeit nutzten wir, um bei „Fred Meyers“ einzukaufen. Wo sonst gibt es alles an einem Platz. Und das war gut so, weil in Anchorage Einbahnstraßen keine Mangelware sind. Manchmal fuhr man dreimal am Laden vorbei, ohne ihn erreicht zu haben.

Alle waren begeistert- Pizza, endlich Pizza! Wir genossen jeden Bissen und schon bald konnten wir nicht mehr und platzten aus allen Nähten. Wir verloren unser Tagesziel trotzdem nicht aus den Augen und fuhren deshalb weiter nach Talkeetna. Es war ein kleines Dorf am Fuße des Mount McKinley. Von hier aus starteten die meisten Expeditionen zu dem höchsten Berg der Erde (gemessen vom Fuße des Berges bis zur Spitze), welche sehr oft im Drama endeten. Mike war das letzte Mal vor 15 Jahren hier und das Dorf hatte sich doch reichlich verändert. Schön war es aber trotzdem und sein Lieblings-Pub, das Fairview Inn, gab es auch noch.

Wir hatten uns hier in eine richtig schöne Blockhütte eingemietet und am Eingang stand ein nettes Willkommensschild „Welcome Mike Semicia“.  Schön war es hier und schnell informierte sich Mike, was das Wetter denn so mit uns vor hatte, denn unser eigentlicher Besuch hier galt dem Denali, dem Höchsten, wie er von den Athabasken genannt wird und ansonsten auch Mount McKinley heißt.Unser Plan war mit dem Flieger, einer kleinen Chesna oder ähnlichem, den Berg zu umfliegen und auf einem seiner Gletscher zu landen. Der Berg ist nur an wenigen Tagen im Jahr sichtbar und unsere Chancen standen schlecht. Das Wetter war unsicher für den nächsten Tag, aber eventuell gab es da ein kleines Loch mit Sonne.

Wir beschlossen uns zumindest vorzubereiten, um dann ganz schnell startbereit zu sein. Das Wetter in dieser Gegend um ein Bergmassiv mit Gipfeln über 6000 Meter ist instabil und kann sich in nur wenigen Minuten komplett ändern. Der Wetterbericht zeigt bewölktes Wetter für den nächsten Tag an, aber Mike traute der Sache nicht, denn das Barometer und die Bewölkung sagten etwas Besseres voraus. Wir bummelten noch etwas durch das kleine bunte und nett anzusehende Dörfchen und  endeten schließlich im „Fairview Inn“ bei einem Bierchen.   

Donnerstag, 03.08.2009 

Das Barometer hatte Recht. Mike war schon damit beschäftigt den Flug zu buchen.„Heute ist der Tag der Tage“ schallte es durch die Blockhütte. Die Vorhänge wurden beiseitegeschoben, Rollos schnappten, lächelnde Gesichter erstrahlten im Anblick von rundum blauem Fotohimmel.

„In 45 Minuten müssen wir los“ war die nächste Information und ein Duft von frischem Kaffee durchzog die Blockhütte. Schnell waren alle organisiert an diesem Morgen. Leichte Panik machte sich breit, denn keiner wollte diesen perfekten Tag für diesen Berg der Berge verpassen. 

Kurz darauf standen wir alle voller Erwartungen am kleinen Flugplatz von „Talkeetna Air Taxi“. Eine Beaver von 1952 wurde startklar gemacht und alle stiegen voller Freude in das kleine Flugzeug. Der Pilot, ein junger Mann von höchstens 28 Jahren, erklärte uns den Flug und worauf wir achten sollten. Und Zack, waren auch schon die Türen verschlossen und die Maschine rollte zum Startfeld des kleinen Airports in Talkeetna- da wo sich die Flüsse treffen. Die schwarzen Gummiräder verließen den Asphalt und wir waren in der Luft. Jetzt konnten wir deutlich erkennen, warum die Indianer hier schon seit vielen Generationen gelebt hatten. Ein idealer Platz, drei Flüsse trafen sich hier und aus verschiedenen Richtungen konnten hier die Indianer in das Landesinnere zur Jagd ausschwärmen und mit anderen Handel treiben. Bis die Weißen kamen, dann änderte sich alles schlagartig. 

Wir flogen gen Nordwesten, die Sonne ließ die Flusswindungen in ganz dunkles leuchtendes blau erstrahlen. Die mächtigen Wälder hatten Ähnlichkeit  mit einem dicken grünen Teppich, dessen Muster nur durch Seen, Sümpfe und leuchtend rotbraune Feuchtgebiete unterbrochen wurde. Die Sonne erwärmte die kleine Kabine der Beaver Maschine ordentlich und es wurde uns sehr warm! Über den Kopfhörer konnten wir eine Menge Informationen über die Gegend vom Piloten erhalten und es dauerte nicht lange bis wir völlig sprachlos der Schönheit der Natur unterlagen. Blaue Gletscherseen, lange weiße Bänder der Gletscher und dann die imposanten Gipfel der umliegenden Sechstausender. Wir näherten uns dem Südgipfel des berühmten Mount McKinley. Wie gut, dass alle von uns Sonnenbrillen trugen denn die weißen, Sonnenreflektierenden Gipfel hätten unseren Augen sonst ordentlich Probleme bereitet. Kurz darauf umflogen wir das gesamte Massiv des Gebirgsriesen. Die Eindrücke, die wir sammelten, lassen sich kaum in Worten fassen- man muss einfach mal da gewesen sein.

Alsbald erblickte der Pilot den „Eldridge Glacier“ und setzte zur Landung an. Ganz sicher und ohne die geringste Unsicherheit landete er die kleine Maschine auf dem Gletscher in 2300 Meter Höhe. Wir stiegen aus und umarmten uns. Wir konnten die Ruhe und atemberaubende Schönheit dieser eindrucksvollen Berg –und Gletscherlandschaft kaum fassen. Wir waren glücklich. Vom Sommer zum tiefsten Winter in nur 45 Minuten. Wir stapften jetzt in 30 cm Neuschnee, der in der vergangenen Nacht gefallen war und jetzt in der Sonne ganz unberührt und jungfräulich vor uns lag. Die Kameras liefen heiß und wir konnten nicht fassen, dass wir solch ein Glück mit dem Wetter hatten.

An diesem Tag hätten wir noch gerne den Sonnenuntergang hier oben erlebt, aber schnell wurde uns bewusst, dass es wieder los ging Richtung Talkeetna. Im tiefen Schnee startete die Maschine und kurz darauf waren wir wieder in der Luft. Vorbei ging es an Mount Foraker, Mount Hunter und dem Basis Camp für die Expeditionen zum Mount McKinley Richtung Südosten. Die Lautsprecher der Kopfhörer waren stumm. Alle waren in Gedanken versunken und absorbierten die Schönheit der Umgebung. Nach einer halben Stunde landeten wir sicher und zufrieden auf der kleinen Landebahn von Talkeetna und wussten, dass war ein ganz besonderer und einmaliger Tag in unserem Leben! 

Freitag, 04.09.2009 

Immer noch hatten wir super Wetter und die Hütte durchdrang ein Duft von frisch gebackenen Brötchen. Alle waren ziemlich müde an diesem Morgen, denn die Erlebnisse und Eindrücke hatten an unseren Kräften gezehrt. Heute stand relaxen auf dem Programm. Eine kleine Wanderung in der Nähe von Talkeetna und eine kurze Fahrt nach Denali sollten den heutigen Tag ruhig angehen lassen.

Nach der kurzen Wanderung an den XY Lakes ging unsere Reise weiter nach Norden Richtung Denali, einem kleinen Ort am Mount McKinley Nationalpark. Auf dem Weg dorthin kamen wir an der „Petersville Road“ vorbei. Der Name „Petersville Road“ weckte in Mike Erinnerungen an ein Buch, das er vor fast 20 Jahren gelesen hatte und ihn nie mehr los ließ. „Jenseits aller Grenzen“ von Richard Leo war der Anlass für Mike erstmalig 1994 nach Alaska zu reisen. Im Buch wird das Schicksal einer jungen amerikanischen Familie erzählt, die versuchte ihr Glück in Alaska zu finden. Die Geschichte spielte in der Nähe der Petersville Road, genau da, wo wir uns jetzt befanden. Wie im Buch beschrieben, konnte man speziell von dieser Straße aus den Mount McKinley in seiner ganzen Schönheit bewundern. Und genau das, taten wir jetzt. Den Vordergrund bildeten Seen, Landschaften und Moorgebiete mit vereinzelten langen und schmalen Fichten. Wie auf Postkarten zeigte sich der Berg in seiner vollen Größe bei immer noch Spitzenwetter. 

Für morgen war eine Erkundungstour des Denali Parks geplant, der gleichzeitig ein internationales Biosphären Reservat ist und eine Fläche von fast 25.000. km² hat. Nachdem wir von Süden, von der Kenai Halbinsel, über Talkeetna und jetzt nach Denali unterwegs waren und unsere Reise weiter und weiter nach Norden verlief, konnten wir eine deutliche Veränderung in der Natur wahrnehmen. Der berühmte „Indian Summer“ zeigte sich ganz langsam und mehr und mehr mit verschiedenen Färbungen.

Eine Stunden später waren wir in Mitten des farbenfrohen indianischen Sommers angekommen und wir trauten unseren Augen nicht. Solch eine Schönheit der Natur hatte sich keiner von uns vorstellen können. Rotbraune Berge, leuchtend gelbe Birken, weinrote Blaubeersträucher, grell weiße Schneefelder an den Berghängen, türkisfarbene Seen und sattgrüne schlanke Fichten umrahmt mit Postkarten blauen Hintergrund, versetzte uns ins Staunen. 

In Denali angekommen fanden wir eine Unterkunft im Denali Hotel, mitten in der atemberaubenden Landschaft der Tundra des Parks gelegen. Die Rezeption war ein alter ausrangierter Alaska Railroad Wagon, der mit seiner gelb blauen Farbe deutlich in der Umgebung zu sehen war. Schnell waren wir wieder organisiert und buchten eine Busfahrt für den nächsten Tag in den wilden und unberührten National Park am Mount McKinley.

Der Abend klang aus im „Rose Dinner“ unweit unserer Unterkunft. 

Samstag, 05.08.2009 

Um 10.00 Uhr waren wir bereits im alten Schulbus des Parkservices unterwegs. Nur eine einzige Schotterpiste führte westwärts in den Park bis zum Wonder Lake. Strenge Kontrollen und Vorschriften gelten hier in diesem menschenleeren Nationalpark.

Auf den 25000 km² verteilt findet man hier eine große Population an Wölfen, Vielfraße, Dallschafen, Rentieren, Braunbären, Grizzlybären und vielen mehr. Die Jagd ist streng verboten und alles ist dem natürlichen Gleichgewicht überlassen. Sehr oft kann man Tiere sehen und die Besucher des Parks haben manchmal das Gefühl, sie würden in einem großen Zoo unterwegs sein. So erging es auch uns an diesem Tage und hinzukam, dass der Denali oder Mount McKinley ständig in voller Größe und im wunderschönen Sonnenlicht den Hintergrund darstellte.

Wir genossen die Fahrt im Bus und die vielen Eindrücke dieser imposanten Landschaft. Am frühen Abend waren wir zurück von unserem Ausflug und genossen unser Abendessen in einer der zahlreichen Lodges in Denali. 

Sonntag, 06.09.2009 

Wir verließen die Gegend um den berühmten Berg. Das Wetter verschlechterte sich. Dichte Wolkenwalzen zeigten sich am Himmel und das Massiv des Denali trübte langsam ein. Nach einem super Frühstück in einer Lodge in Denali beschlossen wir in dem kleinen Touristen Örtchen noch etwas zu bummeln. Viel Krims Krams und „Made in China“ verkürzten den Bummel und wir waren einer Meinung- die üppigen Blumenkästen und Blumenkübel vor den Läden war das Schönste. Außerdem wollten wir unsere Geschenke am nächsten Tag in Anchorage einkaufen.

Und auf ging die Reise zurück nach Süden, nach Anchorage am Cook Inlet und dem Ausgangspunkt unserer Reise durch Alaska. Kurz vor Anchorage machten wir noch eine kleine Wanderung zu den „Thunderbird Falls“. Aber der Hunger hatte uns wieder und schnell war das Ziel beschlossen. „The Mooses Tooth“ die beste Pizzeria in Anchorage wurde wieder angesteuert. Nach dem super Essen fuhren wir zurück zu Danny und Gloria in unser Stamm B&B The Bluff Inn und beendetet den Abend auf der Terrasse mit Bier und dem Blick auf das Cook Inlet.  

Montag, 07.09.2009 

Stille kehrte ein. Alle wussten, dass wir in 2 Tagen wieder in Deutschland sein würden. Die Reise war zu Ende gegangen. Unsere Programmpunkte waren nicht mehr besonders aufregend. Geschenke einkaufen, packen und ein Besuch im Museum of History and Art. So richtig Lust kam da keine mehr auf.

Gegen Mittag war alles erledigt und wir gingen noch mal in aller Ruhe Essen. Diesmal im „The Ork", ein nettes Restaurant in der Innenstadt. Am Abend wollte jeder von uns noch mal alleine von diesem wunderschönen Land Abschied nehmen. Wir waren schon sehr traurig und gingen an diesem Abend früh schlafen. 

Dienstag, 08.09.2009 

Unser Frühstück mit Blick auf das Cook Inlet war unser letzter kleiner Programmpunkt vor der Heimreise. Als Abschiedsgeschenk kam eine Elchmutter mit Ihren zwei Kälbern in den Vorgarten unserer Unterkunft und fraßen die Blätter der Bäume ab.

Die Elchmutter entschied sich für das Nachbargrundstück und ließ die Kälber zurück. Da saßen wir, schlürften unseren Kaffee und schauten den Elchen zu, die nur 3 Meter von uns entfernt und durch eine Glasscheibe getrennt waren. Letztmalig liefen unsere Kameras auf Hochtouren und selbst das Blitzlicht konnte die Jungtiere nicht stören, die sich mittlerweile satt gefressen an die Terrassentüren zum Ausruhen anlehnten.  Wir konnten es einfach nicht glauben. Gloria kam mit Fotos, die sie uns noch gerne zeigen wollte. „Statt Elche können auch Bären kommen“ sagte sie und zeigte stolz die tollen Fotos von Schwarzbären in ihrem Vorgarten. Wir umarmten uns und verabschiedeten uns von unseren Gastgebern.

Kurz darauf waren wir am Flugplatz von Anchorage angelangt. Nach stundenlangem Warten konnten wir endlich an Bord gehen. Als die Maschine abhob waren alle von uns traurig! Der Flieger setzte seinen Kurs nach Norden, Richtung Fairbanks, bevor er den Kurs gen Osten nach Europa änderte. Wir konnten noch einmal diese Weite des Landes bewundern und kurz darauf entdeckten wir weit unter uns den Yukon, wie er sich langsam in großen Bögen durch das Land schlängelte. Dann kamen Wolken und wir schliefen ein und träumten von unserer nächsten Reise in diese letzte Wildnis unserer Erde. 

Mike Semisch

Oktober 2009